Geschichte

 JahrEreignis
ca. 5000 v. Chr.

Die ersten Siedler erreichen La Gomera – über ihren Ursprung wird aber bis heute in der Wissenschaft gestritten. Sowohl eine Verbindung zu den nordafrikanischen Berbern als auch zu einer megalithischen Kultur können in Betracht gezogen werden.

zwischen 1100 und 800 v. Chr.

Die Phönizier, ein seefahrendes Händlervolk aus dem heutigen Gebiet des Nahen Ostens, erreichen La Gomera und erkunden im Zuge dessen mit großer Wahrscheinlichkeit auch die restlichen kanarischen Inseln.

500 v. Chr.

Die Berber setzen Fuß auf La Gomera und gründen die ersten archäologisch nachweisbaren Siedlungen der Insel.

1. Jh. n. Chr.

La Gomera wird in einem Reisebericht des mauretanischen Königs Juba ll. erwähnt, der eine Expedition zu den Kanarischen Inseln leitete. Auch werden die Inseln in einem Bericht des römischen Gelehrten Plinius des Älteren beschrieben.

2. Jh. n. Chr.

Der griechische Wissenschaftler Ptolemäus erstellt die erste bekannte geografische Karte La Gomeras.

3.-12. Jh. n. Chr.

La Gomera gerät auf dem europäischen Festland in Vergessenheit und verlebt mehrere Jahrhunderte in Abgeschiedenheit von der Außenwelt. Während dieser Zeitperiode entwickeln sich die vergleichsweise fortschrittliche Ureinwohnerkultur der Insel und die Pfeifsprache "El Silbo".

12./13. Jh.

Europäische Seefahrer – allen voran Portugiesen, Spanier und Italiener – stoßen auf der Suche nach neuen Handelsrouten und -plätzen erneut auf die Kanaren und entwickeln erste Pläne zur Eroberung der Inseln.

1384

Ein erster Eroberungsversuch durch die Portugiesen scheitert, führt aber zur Niederlassung erster christlicher Missionare auf La Gomera.

1402-1404

Der Normanne Jean de Bethencourt unternimmt im Auftrag Kastiliens einen Kreuzzug zu den Kanarischen Inseln und erobert erfolgreich Lanzarote und Fuerteventura. Er versucht sich am Aufbau einer ersten Kolonialgesellschaft, in der Ureinwohner und Normannen in gegenseitigem Einverständnis zusammenleben und miteinander handeln. Ein Eroberungsversuch La Gomeras scheitert erneut.

1406

Ein zweiter Eroberungsversuch durch Jean de Bethencourt bringt der spanischen Krone einen Teilerfolg ein: Zwei der insgesamt vier Provinzen der Insel unterwerfen sich den europäischen Siedlern. Die Ureinwohner La Gomeras beweisen dabei großes diplomatisches Geschick und vermeiden zunächst kriegerische Konflikte.

1447

Mit dem Spanier Hernán de Peraza bricht eine Zeit der despotisch-autokratischen Herrschaft auf La Gomera an, die in den kommenden Jahrzehnten zu unzähligen Aufständen seitens der Urbevölkerung führt. Insbesondere die beiden nördlichen Provinzen der Insel leisten nach wie vor regen Widerstand gegen die Fremdherrschaft und reagieren damit auch auf den florierenden Sklavenhandel, den die Perazas mit den Ureinwohnern treiben.

1488

Hernán Peraza El Jovén, der Sohn Hernán de Perazas, wird von den Gomeros in einen  Hinterhalt gelockt und ermordet. Seine Frau, Beatriz de Boadilla, lässt daraufhin hunderte der Inselbewohnern töten und beendet den Aufstand mit einem Blutbad.

1492

Christopher Kolumbus legt auf seiner Entdeckungsreise nach Amerika einen letzten Zwischenstopp auf La Gomera ein und verweilt dort in der Bucht San Sebastián, dem Standort der heutigen Hauptstadt der Insel.

1514

Die Einwohner La Gomeras werden rechtlich mit den Spaniern gleichgestellt – der Sklavenhandel findet somit ein seitens der Gomeros lang ersehntes Ende.

16. Jh.

Die Perazas herrschen als Grafengeschlecht weiterhin über La Gomera und vererben den Herrschaftsanspruch über die Insel innerhalb ihrer Familie weiter. Die Ureinwohner passen sich immer stärker an die Kultur der spanischen Eroberer an und übernehmen nicht nur deren Religion, sondern auch deren Sprache. Die Wirtschaft La Gomeras wird vor allem durch den Export von Zuckerrohr und Wein dominiert.

Ende 16./Anfang 17. Jh.

La Gomeras Hauptstadt San Sebastián wird wiederholt zum Opfer von Piratenüberfällen.

1650

Die Perazas verlassen La Gomera und siedeln nach Teneriffa über. Die Leitung der Insel wird fortan einem Verwalter übertragen.

1743

San Sebastián wehrt erfolgreich einen weiteren Piratenüberfall ab.

1762

Infolge von Steuererhöhungen entbrennt ein Aufstand der Bevölkerung gegen die Obrigkeit, der jedoch innerhalb kürzester Zeit niedergeschlagen wird.

1812

Die Feudalherrschaft über La Gomera wird formal abgeschafft.

1837

Die letzten Adeligen verlassen La Gomera. Die Insel wird direkt der spanischen Krone unterstellt.

1852

Die Kanaren, und somit auch La Gomera, werden zur Freihandelszone, um der anhaltend schlechten Wirtschaftslage der Inseln entgegenzuwirken.

Ende des 19. Jh.

Nachdem ein Verfahren zur industriellen Herstellung des roten Farbstoffes – eines der wichtigsten Exportgüter La Gomeras – erfunden wurde, strauchelt die Wirtschaft La Gomeras erneut. Eine  Auswanderungswelle setzt ein, die viele Gomeros nach Nord-, Mittel- und Südamerika führt.

ab 1900

In Reaktion auf die schwache Wirtschaftslage La Gomeras wird mit dem Anbau von Bananen und Tomaten auf der Insel begonnen. Die neuen Kulturpflanzen erweisen sich als erfolgreiche Rettungsstrategie.

1912

Eine Verwaltungsreform führt dazu, dass die Kanarischen Inseln sich fortan selbst verwalten und Inselregierungen einsetzen dürfen.

1927

Die Kanarischen Inseln werden in eine West- und eine Ostprovinz unterteilt. La Gomera gehört fortan der Provinz „Santa Cruz de Tenerife“ an.

1936

Der von General Franco durch einen Putschversuch forcierte Spanische Bürgerkrieg bricht sowohl auf dem spanischen Festland als auch auf den Kanarischen Inseln aus. Die Gomeros versuchen zunächst noch, Widerstand zu leisten, müssen sich aber innerhalb weniger Tage den Einheiten Francos unterwerfen.

1940er Jahre

In Reaktion auf die Diktatur Francos erfolgt eine weitere Welle der Auswanderung von La Gomera gen Westen, wodurch sich die Bevölkerungszahl der Insel drastisch verringert. Spaniens neutrale Haltung während des Zweiten Weltkrieges führt dazu, dass der Krieg keinen direkten Einfluss auf die Kanarischen Inseln nimmt.

1974

Die erste Fährverbindung zwischen Teneriffa und La Gomera wird eingerichtet und markiert so den Beginn des touristischen Aufstiegs der Insel.

1975

Nach dem Tod Francos wird Spanien zur konstitutionellen Monarchie. Das Ende der Diktatur begünstigt zusätzlich die Entwicklung des Tourismus.

1982

Die beiden kanarischen Provinzen erhalten den Status einer Autonomen Region.

1986-1989

Spanien tritt der Europäischen Gemeinschaft bei. Die Kanarischen Inseln stimmen einem Beitritt zunächst nicht zu, da sie um ihren Status als Freihandelszone fürchten; letzten Endes wird ihnen aber das Recht zugesprochen, ihren Sonderstatus beizubehalten. Nach 3 Jahren treten sie ebenfalls der EG bei.

1993

Die Kanarischen Inseln werden Teil der EU.

1999

Auf La Gomera wird der erste Flughafen der Insel eröffnet, der fortan tägliche Verbindungen zu Teneriffa und anderen kanarischen Inseln – aufgrund der zu kurzen Start- und Landebahnen nicht aber zu internationalen Zielen – bietet.

2012

Im August des Jahres bricht einer der verheerendsten Waldbrände in der Geschichte La Gomeras aus und lässt Sorge um das Naturerbe der Insel aufkommen. Inzwischen hat sich die Landschaft größtenteils wieder erholt.